Tuesday, 11 June 2013

Fragen und Antworten zu Naturfarben

Da immer mal wieder ähnliche Fragen zu den verschiedenen Farben kommen, versuche ich hier mal ein paar Antworten zusammenzustellen (ABER: Ohne Gewähr. Manchmal machen die Farben nämlich einfach, was sie wollen)


All diese Ergebnisse beruhen auf meinen eigenen Experimenten und sind natürlich nicht die einzige Wahrheit. Naturfarben sind ein tolles Feld für Experimente und die Ergebnisse variierien aufgrund aller möglichen Faktoren (Wasserhärte, Pigment, Art des Quarks/Leinöls etc.)


Sind Kaseinfarben wasserfest?

Nur bedingt. Für den Innenbereich und als Grundierung ist die annähernde Wasserfestigkeit' der Kaseinfarbe vollkommen aureichend. Ständiger Kontakt mit Wasser (z:B. Regen im Außenbereich) sollte aber vermieden werden.

Wasserfester als Kaseinfarbe und möglicherweise sogar für den Außenbereich geeignet ist Kaseintempera (max 20% Leinölfirnis in den Kaseinleim geben).

Ich selbst habe es allerdings noch nicht getestet, nachzulesen aber bei Knieriemen/Krampfer/Ziesemann in ihrem Buch 'Natürliche Farben'.


Hilfe meine weiße Eitempera gilbt. Was kann ich tun?

Leinöl neigt zum Gilben- je nach Qualität etwas mehr oder weniger. Speziell, wenn Bilder dunkel gelagert werden kommt es zu Verfärbungen. Durch indirektes(!) Sonnenlicht hellt sich das Leinöl jedoch mitunter wieder auf. 

Wichtig ist auch, während des Malprozesses das Bild im Hellen trocknen/oxidieren zu lassen (also besser nicht abdecken oder umdrehen).

Ganz reinweiße Farbe ist mit Leinöl schwierig Angeblich ist Walnussöl eine (leider teure) Alternative, die weniger zum Gilben neigen soll. Mich stört das leicht gelbliche nicht, deshalb habe ich bisher kein Walnussöl verwendet.

Wer ganz brillante, gilbungsfreie Farben will kann Kaseinfarbe auf Holz ausprobieren. Die Strahlkraft der Pigmente in Kasein ist nämlich wirklich toll und es gilbt absolut nichts.  


Muss ich Pigmente einsumpfen?

Eigentlich nicht. Bei kleinen Mengen sumpfe ich nicht ein. Erdpigmente sind in der Regel nicht so fein gemahlen. Bei feinem Pigmentstaub ist es aber auf jeden Fall gesünder und angenehmer sie einzusumpfen. Man kann aber auch einfach ein Staubmaske tragen und die trockenen Pimente verwenden.

Blaupigmente sind manchmal etwas störrisch, da kann Einsumpfen schon helfen, aber für die Qualität der  Farbe finde ich es unwichtig.

Champagnerkreide für Kaseingrund und Wandfarbe sumpfe ich hingegen IMMER ein. Kreide klumpt einfach zu sehr. Einfach die Kreide in etwas Wasser zu einer festen Paste anmischen. Ein wenig ruhen lassen, bis die Paste glatt ist. Fertig!


Muss ich Temperafarben anreiben?

Nein. Einfach Pigmente einrühren reicht vollkommen aus. Bei Ölfarben mag es vielleicht hilfreich sein, aber für Eitempera und Kasein ist es nicht nötig.


Ist Eitempera wasserfest?

Nach meinen bisherigen Erfahrungen ist sie es tatsächlich. Sie hat sogar schon die Waschmaschine überlebt.


Wie lange muss Eitempera trocknen?

Eitempera trocknet auf zwei unterschiedlich Arten. Zum einen verdunstet das Wasser und zum anderen härtet das Leinöl durch Oxidation mit Sauerstoff aus. Wenn das Wasser verdunstet wirkt die Tempera oberflächentrocken und lässt sich übermalen. Die Farbe lässt sich jedoch auch problemlos mit Wasser und  Pinsel, Tuch oder Schwamm wieder ablösen. Erst wenn auch das Leinöl ausgehärte ist, ist die Farbe wasserfest.

Es hängt ein wenig vom verwendeten Leinölfirnis und auch von den Pigmenten ab, wie schnell das Leinöl oxidiert. Je nach Firnis sind unerschiedliche Trockenstoffe drin und auch Pigmente können die Trocknung beeinflussen. 

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht genau wann die Farbe richtig durchoxidiert ist. Ich transportiere frische Bilder immer sehr vorsichtig und das klappt auch sehr gut. Man muss normalerweise schon etwas reiben um die Farbe runterzubekommen. Richtig 'trocken' sind sie aber wahrscheinlich erst nach ein paar Monaten.


Gibt es auch vegane Naturfarben?

Eitempera und Kasein sind logischerweise nicht vegan. Wer natürliche Bindemittel ohne Rohstoffe von Tieren verwenden möchte kann Gummi Arabicum nehmen. 

Gummi eignet sich entweder als Wasserfarbe auf Papier oder mit Leinöl emulgiert als Gummitempera auf Leinwand. Als Grundierung eignet sich z.B. Acrylbinder oder Dispersionsfarbe.

Auch Tinten auf Pflanzenbasis, wie z.B. Beerentinte oder Granatapfeltinte sind vegan.