Friday, 4 May 2012

Über Leinwände und meine liebste Grundierung


Leinwand mit Kasein grundiert
Der Untergrund eines Gemäldes ist von entscheidender Bedeutung für die Haltbarkeit. Er wirkt sich aber, meiner Meinung nach, auch auf den Malprozess und die Handhabung der Farben aus.

Ich benutze grundsätzlich keine fertigen Leinwände und kann nichts über die Qualität sagen. Es gibt sicherlich auch hochwertige Ausführungen, aber bei dem ganzen Billigangebot überall (wirklich überall :O ) stehen mir dann doch die Haare zu Berge.

Welche Wälder werden von wem unter welchen Umständen dafür plattgemacht? Das Zeug ist so billig, da muss ich mir Fragen stellen... wie wird das wohl hergestellt? Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. (Das gilt übrigens nicht nur für Leinwände ; )

Ich habe selbst noch nie was anderes verwendet als selbstgebaute Keilrahmen, mit ungrundiertem mittelfeinem Gewebe bespannt. Wenn man den Dreh mal raushat, ist das Selberbauen ganz einfach. Seit ich Eitempera benutze, ist die Wahl der Grundierung zudem noch wichtiger geworden. Mit Acryl war klar: Acryl drunter und gut. 

Ich habe auch vor einiger Zeit alte Acrylbilder mit Acryl geweißt und darauf mit Eitempera gemalt. Eigentlich geht es schon irgendwie... Aber all die schönen Vorteile der Eitempera waren einfach nicht mehr da und es hat mir keinen Spaß gemacht. Acrylbilder brechen zudem sehr leicht, wenn man sie rollt, was für mich mitunter problematisch ist.

Ich finde auch die Lasurfähigkeit der Eitempera auf Acryl nicht so gut. Meine Sache ist es nicht, obwohl es für den ein oder anderen sicher gut funktioniert.  Es mag deshalb Geschmacksache sein, aber ich würde als Untergrund für Eitempera entweder klassisches Gesso mit Hasenleim oder noch besser Kaseinleim empfehlen. Im Gegensatz zum Hasenleim hat Kasein nichts von Hasen drin und trocknet nahezu wasserfest auf. 

Ich geb's zu, Leinwände selber machen ist etwas Arbeit, aber für mich wäre es absurd, eine spottbillige Leinwand zu nehmen und darauf sechs Wochen lang an einem Bild zu malen. Zumal die Billigleinwände schon von Weitem an den abstehenden Ecken zu erkennen sind. ; )

Rezept für Kasein-Gesso gibt's unter KASEINFARBE.


Ein paar Worte über Pigmente und deren Handhabung


Grüne Erde und Blutstein
Pigmente sind unösliche Teilchen, die mit Hilfe von Bindemittel auf einen Bildträger aufgetragen werden. Im Falle von Krapplack besteht das Pigment z.B. aus eingefärbten Tonerdeteilchen.  

Reine Erdpigmente sind im Grunde nichts anderes als fein gemahlenen Erden. Manche anorganischen Pigmente entstehen auch durch das Brennen von Erden. 

Die meisten heute gebräuchlichen Pigmente sind jedoch vollständig synthetisch hergestellt, was nicht unbedingt gleichbedeutend ist mit giftig und umweltschädlich (hängt natürlich von der Herstellung ab). 

Synthetische Pigmente haben sicherlich den Vorteil, berechenbar zu sein, was Farbe und z.B. Haltbarkeit betrifft, da sie immer wieder gleich reproduziert werden können.
Mir ist die Berechenbarkeit und Farbtreue der synthetischen  Pigmente allerdings vollkommen egal, ich liebe die besondere Schönheit der Erdfarben. 

Die Farbtöne sind einfach weicher, wärmer und nicht so knallig. Ich mag am liebsten ganz reine Erden, benutze aber natürlich auch gebrannte Erden und auch Eisenoxide. Erden sind übrigens nicht nur schön, sondern auch äußerst lichtecht.

Ganz auf synthetische Farben verzichte ich natürlich nicht, da ich auch oft Titanweiß und Ultramarin verwende, aber viele meiner Bilder sind tatsächlich ausschließlich mit Erde gemalt. 

Es wurden im Laufe der Geschichte, auf der Suche nach dem richtigen Farbton, allerhand äußerst giftige Substanzen auf Leinwände aufgetragen. So enthält Auripigment das giftige Arsen und in Zinnober ist Quecksilber. Auch heutige Pigmente enthalten mitunter Stoffe (z.B. Schwermetalle wie Kupfer oder Kobalt), die zu gesundheitlichen Schäden führen können, wenn man sie über längere Zeit dem Körper zuführt, z.B. durch Einatmen oder Verschlucken.

Mit Pigmenten, egal ob synthetisch oder natürlich, sollte deshalb immer sorgsam umgegangen werden, sodass es vor allem nicht zu Staubentwicklung kommt. Einatmen oder Runterschlucken sollte auf jeden Fall vermieden werden. Wer ganz sicher gehen will, sumpft die Pigmente einfach in Wasser ein und verwendet den so entstandenen Farbbbrei. 

Bei sehr feinen Pigmenten ist es auf jeden Fall angenehmer, beim Hantieren eine Staubmaske zu tragen. Man sollte auch keine Lebensmittel im Atelier rumliegen haben,  oder während der Arbeit essen. Ein Atelier ist eben auch ein Arbeitsplatz, an dem es ein paar Sicherheitsvorkehrungen geben sollte.


Bei Pigmenten, egal welcher Art, ist es außerdem wichtig, immer auf die Eignung zu achten. Nicht alle Pigmente sind für alle Bindemittel gleichermaßen gut geeignet. Meist sind für Eitempera geeignete Pigmente mit 'Ei' oder 'Tempera' gekennzeichnet.

Weitere Infos zu Pigmenten gibt es bei Doerner oder Wehlte und auf den Seiten von Kremer-Pigmente.

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VORSICHT! Leinöl(firnis) kann sich selbst entzünden. Deshalb nie mit Leinöl getränkte Lappen oder Tücher zerknüllt irgendwo rumliegen lassen. Entweder wässern oder in einen luftdicht verschlossenenen Behälter geben. STEHT ABER AUCH NOCHMAL GENAUER AUF JEDER LEINÖL(FIRNIS)VERPACKUNG