Tuesday, 21 February 2012

Kaseinfarbe

Kaseinfarbe ist eine tolle und gesunde Alternative zur herkömmlichen Wandfarbe. Es lässt sich aber auch gut damit malen, besonders auf Holz. Auf flexibler Leinwand bröckelt die Farbe allerdings, wenn zuviele und zu dicke  Schichten übereinander aufgetragen werden. Die Pigmente strahlen in Kasein aber besonders schön. Mit ein paar Tropfen Leinöl vermischt, lässt sich auch leicht eine Kaseintempera herstellen, die flexibler ist als reine Kaseinfarbe. 
Kaseinfarbe trocknet wasserfest auf und eignet sich, dünn aufgetragen, auch als Grundierung unter Eitempera.

Im Handel gibt es reines Kaseinpulver, die Herstellung funktioniert aber auch mit ganz normalem Magerquark. Um das Kasein aufzuschließen eignet sich neben Borax auch Ammonium/Hirschhornsalz (aber Vorsicht, es schäumt sehr stark. Deshalb unbedingt ein großes Gefäß nehmen).

Zur Herstellung von Wandfarbe eignet sich z.B. Champagnerkreide, die einen schönen warmen Farbton hat. Die Kreide wird einige Zeit in Wasser eingesumpft und erst kurz vor der Verarbeitung zum Kaseinleim dazugegeben. 

Zum Malen auf Holz oder Leinwand gibt man einfach etwas farbiges Pigment zum Kaseinleim. Der reine Kaseinleim hebt sich, mit einem Tropfen Nelkenöl versetzt,  im Kühlschrank einige Tage auf. Wenn er mit Pigment vermischt ist, muss er allerdings zügig verarbeitet werden, da er sehr schnell seine Bindekraft verliert.

Wer die Mühe nicht scheut und sich die Farbe selber mischt, bekommt wirklich schöne Wände ohne jegliche giftige Ausdünstungen. Die Farbe ist außerdem diffusionsoffen, d.h. die Wand kann atmen, was sich gut auf das Raumklima auswirkt.
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Mein Grundrezept mit Magerquark:

Kaseinleim
zu 500 g Magerquark werden 3/4 EL Hirschhornsalz* in warmem Wasser aufgelöst dazugegeben (Vorsicht schäumt! Am besten Schutzbrille tragen.)
Alles gut verrühren und stehen lassen, bis der Quark gelblich transparent wird - mindestens 30 min.
In Wasser eingeweichtes Pigment dazugeben und vermalen. Evtl. mehr Wasser dazugeben.

*Alternativ kann man auch 1 EL Borax nehmen, das jedoch nicht mehr frei verkäuflich ist.

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Grundrezept mit Kaseinpulver:

50 g Kaseinpulver über Nacht in etwa 250 ml Wasser einweichen. Am nächsten Tag 15 g Hirschhornsalz in warmem Wasser auflösen und dazugeben (in großem Gefäß!). Alles gut verrühren und solange stehen lassen, bis ein gelblich-transparenter Leim entstanden ist. 


ACHTUNG: Hirschhornsalz in großem Gefäß auflösen, da es stark schäumt! Für Hirschhornsalz KEIN heißes, sondern nur warmes Wasser verwenden !

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Kasein als Gesso

Den fertigen Leim mindestens im Verhältnis 1:1  mit Wasser verdünnen. Anschließend mit in Wassser eingesumpfter Champagnerkreide vermischen. Ich nehme etwa zu gleichen Teilen Kreide und Leim. 


Wer einen reinweißen Untergrund bevorzugt, kann etwa ein Viertel der Kreide durch Titanweiß ersetzen.

Das bietet sich auch auf naturfarbenem Leinen an, da nasse Kreide transparent wird. Es kann beim Malen sehr stören, wenn die dunkle Farbe des Stoffes zum Vorschein kommt.

Kasein hat sehr viel Spannung, weshalb der Leim mit Wasser verdünnt werden sollte. Die Leinwand am besten mit 2-3 sehr dünnen Schichten grundieren und etwa 24 Stunden trocknen lassen.

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Kasein als Wandfarbe:

Wie oben beschrieben, Hirschhornsalz (oder Borax) in einem seperaten Gefäß mit etwas warmem Wasser auflösen. Für 1 kg Quark braucht man etwa 2 EL Borax oder 1 1/2 EL Hirschhornsalz.

1 kg Quark zusammen mit der Borax-oder Hirschhornsalzlösung in ein 10-l-Eimer geben, gut verrühren  und ca. 1-2 Stunden stehen lassen. 

Auf 1 kg Quark nimmt man ca. 2,5 -3 kg Kreide, die in etwa 1 l Wasser eingesumpft werden (wenn die Paste zu fest ist, einfach etwas mehr Wasser dazu geben). Zum Streichen mischt man beide Komponenten miteinander (evtl. mit Bohrmaschine + Mischaufsatz). Soviel Wasser hinzufügen, bis eine gut streichbare Farbe entsteht. 

Kreide ist in feuchtem Zustand transparent. Die Farbe wird aber schön samtig weiß und deckend, sobald sie getrocknet ist. Wer mag, kann auch ein Viertel der Kreide durch Titanweiß ersetzen, dann wird es wirklich sehr weiß. Titanweiß deckt auch in nassem Zustand.

TIPP: Nicht zuviel Wandfarbe auf einmal anrühren. Lieber immer nur einen Teil des Leims mit der Kreidepaste vermischen und verstreichen, die Masse wird sonst wahnsinnig schwer zu handhaben. Außerdem verliert die zusammengemischte Farbe relativ schnell an Bindekraft und sollte zügig verarbeitet werden.

Zwischendurch immer mal wieder umrühren, da sich das Pigment leicht absetzt. Für bunte Wände einfach farbiges Pigment in die fertige Farbe rühren.

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Kaseintempera


Einfach in den fertigen Kaseinleim tropfenweise Leinöl oder Leinölfirnis hineingeben. Wieviel man hinzugibt, ist Geschmackssache, der Ölanteil sollte insgesamt jedoch nicht mehr als 20-25% der Gesamtmenge betragen. 

Laut Max Doerner ist Hirschhornsalz-Kasein besser zum Emulgieren mit Öl geeignet als Borax-Kasein, da aus Leinöl mit Boraxresten alkalische Ölseife entstehen kann, die wassererempfindlich ist. 


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EDIT: Veganes Kasein

Ich werde immer mal wieder nach veganen Alternativen für Quark-Kasein gefragt und es gibt tatsächlich die Möglichkeit, aus z.B. Bohnen, Lupinen oder Erbsen einen Stoff zu gewinnen, der dem tierischen Kasein sehr ähnlich ist.

Ich habe bisher jedoch noch keine konkreten Tests hierzu gemacht. Wegen unseres Hausbaus habe ich momentan einfach sehr wenig Zeit. Sobald ich experimentiert habe, gibt es das Rezept natürlich hier zum Nachlesen und Ausprobieren.

Alternativ gibt es vegane Kaseinfarbe als fertiges Pulver zum Selbstanrühren zu kaufen.





Über Eitempera / About Tempera Grassa

Eitempera im Glas (vorne)
Jahrtausendelang haben Menschen mit natürlichen Materialien gemalt. Schon vor etwa 30000 Jahren haben unsere Vorfahren bunte Erde benutzt um Tiere auf Höhlenwänden abzubilden. Auf ägyptischen Sarkophagen lässt sich Farbe mit Ei als Bindemittel nachweisen..

Im 14. Jahrhundert kam schließlich die Eitempera/Tempera grassa auf. Diese Mischung aus Ei und Leinöl ist heute mein bevorzugtes Malmittel, da sie sich, anders als reines Eigelb, auch für das Malen auf Leinwand eignet. 


Für das Malen mit reinem Eigelb ist ein starrer Untergrund, wie z.B. Holz, vorteilhafter.

Eigentlich erstaunlich, dass mir so lange nicht bewusst war, dass es diese Farbe überhaupt gibt. Vorher hab ich jahrelang mit Acryl gemalt, bis ich mich schließlich gefragt habe, was für eine Farbe dieses Acryl überhaupt ist. Was ist da drin? Womit male ich da eigentlich? Also habe ich begonnen, mich für mein Material zu interessieren und nachzuforschen. So habe ich vor einigen Jahren die Arbeit mit Eitempera und Erdpigmenten für mich entdeckt.

Eitempera muss immer wieder frisch zubereitet werden und verdirbt vergleichsweise schnell. Möglicherweise ist das einer der Gründe, warum sie schließlich im 15. Jahrhundert von Ölfarben verdrängt wurde.

Ein gleichwertiger Ersatz für Ölfarbe ist sie ohnehin nicht , dazu ist die Wirkung dieser beiden Malmittel zu unterschiedlich. Eitempera ist zwar eine Art wasservermalbare Ölfarbe, zeichnet sich aber durch eine luftige Mattigkeit aus, die besonders mit Erdpigmenten besonders schöne Wirkung erzielt. Ölfarben bestechen hingegen durch Tiefenlicht. Als gesunde und umweltfreundliche Alternative zu der, auf Erdölbasis hergestellten, Acrylfarbe ist sie aber absolut zu empfehlen. Eitempera ist wirklich ein ganz tolles Bindemittel, mit ganz besonderen Eigenschaften, die sie einzigartig macht.

Man mischt einfach Ei mit Leinöl und Wasser, gibt Pigment dazu und fertig ist die Farbe. Das Malen ist natürlich anders als mit Acryl. Ich finde die Farbe geschmeidiger, sie verlangt aber auch mehr Geduld und Sorgfalt. Die Leuchtkraft ist toll und anders als bei fertigen Farben, weiß ich was drin ist. Das Herstellen der Farbe hat bei mir auch zu einem bewussteren Umgang mit meinem Material geführt, was sich letztlich positiv auf meine Malerei ausgewirkt hat.

Wer Ei in Farben nicht mag, der kann das Malen mit Quark ausprobieren. Ich hab zwei ganze Zimmer mit Kaseinfarbe aus Magerquark mit Champagnerkreide gestrichen. Es roch zugegebenermaßen merkwürdig (nach Käse! Aber nur für ein paar Tage), klappte aber ansonsten wirklich super. Die Farbe lässt sich sehr gut streichen und die Kreide deckt sehr gut. Ich benutze Kaseinfarbe auch als Gesso unter Eitempera.

Zusätzlich zu natürlichen Bindemitteln benutze ich gerne echte Erdpigmente. All diese Erden, wie Ocker, Venetianischrot, grüne Erde, Umbra etc. zeichnen sich durch eine zurückhaltende Buntheit aus. Ich habe eine umfangreiche Palette, die nur aus Erdfarben besteht, bloß bei blau und weiß muss ich auf chemische Alternativen zurückgreifen.

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Ein einfaches Rezept zur Herstellung einer mageren Eitempera:

1 Raumteil Ei
1 Raumteil Leinöl oder Leinölfirnis *
1-2 Raumteile Wasser
evtl. einige Tropfen Nelkenöl zur Konservierung

Ein ganzes Ei (möglichst frisch und aus artgerechter Haltung/Bio.) in ein sauberes Schraubglas geben. Deckel drauf und kräftig schütteln. 

Die beiden Eierschalen nacheinander mit Leinöl(firnis) füllen und langsam zum gequirlten Ei dazugießen. Deckel wieder drauf und gut schütteln, bis sich alles vermischt hat. Jetzt die beiden Eierschalen mit Wasser füllen, dazugießen, wieder zuschrauben und erneut schütteln. Es kann auch mehr Wasser dazugegeben werden ( 1-2 Raumteile haben sich für mich bewährt)

Fertig ist die Tempera! Ein tolles Bindemittel für wasservermalbare Farben. Kein Benzin oder Terpentin zum Malen und Reinigen der Pinsel nötig. Die Tempera lässt sich im Kühlschrank eine Weile aufbewahren - gut verschlossen und ohne Verunreinigungen hält sie Wochen oder gar Monate. 

Zum Malen einfach ein wenig Eitempera in ein Gefäß geben und die gewünschten Pigmente untermischen. Je mehr Pigment, desto pastöser wird die Farbe. Alternativ kann man auch Pigment und einen Füllstoff (z.B. Kreide, die in Tempera transparent bleibt) dazugeben. Ich selbst mag meine Eitempera jedoch sehr dünnflüssig. 

Eitempera mit Pigment vermischt ist allerdings nicht so gut haltbar und sollte möglichst am gleichen Tag verbraucht werden. Am besten immer nur kleine Mengen Farbe anrühren.
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*Leinölfirnis gibt es im Künstlerbedarf oder im Baumarkt zur ökologischen Holzbehandlung. Er besteht aus Leinöl mit sogenannten Sikkativen (Trockenstoffen), die eine schnellere Trocknung bewirken.


Alternativ kann man aber auch z.B. 2/3 Leinöl + 1/3 Dammarfirnis (enthält allerdings Terpentin oder ähnliches) nehmen..
Die ökologischste Variante ist die Verwendung reinen Leinöls. Hierbei ist die Trockenzeit allerdings länger


*VORSICHT! Leinölfirnis kann sich selbst entzünden. Deshalb nie mit Leinöl getränkte Lappen oder Tücher zerknüllt irgendwo rumliegen lassen. Entweder wässern oder in einen luftdicht verschlossenenen Behälter geben. STEHT ABER AUCH NOCHMAL GENAUER AUF JEDER LEINÖL(FIRNIS)VERPACKUNG

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KLEINER NACHTRAG: Ich weiß es jetzt sicher! Eitempera ist sehr haltbar. Ein weißes (Kunststoff-)Zelt, das zwischenzeitlich mit Eitempera und Erdpigmenten umgefärbt wurde lässt sich sogar in der Waschmaschine waschen, ohne dass die Farbe Schaden nimmt. Das hat mich dann doch überrascht...

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Tempera Grassa and Earth Pigments

For thousands and thousands of years human beings around the globe used natural materials to make paint. About 30.000 years ago ochre was used to depict animals on the walls of caves. Sarcophagi in ancient Egypt were decorated with paint made of egg. Egg is one of the oldest binders for pigments and was widely used in medieval times. During the 14th century, tempera grassa was introduced. Linseed oil was added to egg or egg yolk to make a more flexible paint. This is my favourite paint today, because it can be used on canvas, while egg yolk works much better on a rigid surface like panel.

It's odd, that it took me so long to find out about egg tempera. For many years I painted with acrylics, until I wondered what acrylic paint is made of? What am I actually using to paint my paintings? That's how I began to learn about natural colours. I discovered a few recipes and many interesting facts about various natural binders and pigments.

Tempera has to be made fresh every few days and as soon as pigment is added, it cannot be kept in jars for more than a day. This might be a reason, why in the 15th century oil paint slowly replaced tempera. Even though tempera grassa is kind of a water-soluble oil paint, its appearance is quite different. It's not as glossy as oil but rather light and velvety like pastel. This looks especially great in combination with earth pigments.

Tempera grassa is a wonderful non-toxic, environmental friendly alternative to synthetic paints. Simply mix egg, linseed oil and water. Soak the pigments in water (please do not inhale pigments!) add it to the binder and start to paint. That's it.

It's smoother than acrylic and a bit more demanding to work with. But the benefits of being more connected to my material and to know, that it is non-toxic are definitely worth the extra work.
If you do not like to use eggs to paint with, you might enjoy painting with white cheese. This is another traditional binder for paint that is not just non-toxic, but also extremely long-lasting. It's called casein and when I moved house, I painted my walls with it. I also use it as gesso for my canvasses. As paint, it works best on rigid surfaces like panels or walls.

As pigments, I use almost only earth pigments (except blue and white). My earth pigments origin from France, Italy and Cyprus. I love these subtle and vibrant colours.


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Tempera Grassa - My Recipe 
There are many other ways to make tempera. This one is very basic, but it's the one I love best. 

Note: Keep the eggshells, these are your measure

1 egg (should be very fresh and not too cold. I prefer organic, because of the chicken )
1 egg full of linseed oil (varnish)
1-2 eggs full of water

Take a clean screw top jar. Break the egg and put the whole egg (yolk an egg white) into the jar. Put the lid on the jar and shake it for a while.

Open the jar, take your two half eggshells, fill one with linseed oil (varnish) and slowly pour the oil into the jar. Then fill the other half and pour it slowly into the jar as well. Put the lid on and shake, shake, shake...a couple of minutes should do.

Open the jar again.. fill the eggshells with water and add the water to the egg/oil emulsion (take1-2 eggs full of water. I prefer to add only one).

Put the lid back on and shake a bit. Your tempera grassa is ready to use. If you keep it refrigerated and clean, it usually stays fresh for weeks or even months.

To paint, simply pour a bit of tempera into a jar (or whatever you use for your paints) add a bit of pigment and start to paint. For pastose paint, use more pigments or add some filler like chalk. 

Simply use water to wash your brushes. 

If you use linseed oil varnish (like I do) the paint 'dries'  faster than linseed oil.

Monday, 20 February 2012

Hallo!

Willkommen in meiner Malwerkstatt. Hier gibt es Infos, Rezepte und Experimente rund um natürliche Farben wie Eitempera, Kasein, Pflanzentinten und Textilfarben aus Pflanzen und bunten Erden.